Tourette-SHG-Dortmund

Hirnschrittmacher

 

Hirnschrittmacher erfolgreich bei Tourette-Syndrom

MANNHEIM (mut). Neurochirurgen haben einen Mann mit einem schweren Gilles-de-la-Tourette-Syndrom erfolgreich per Tiefenhirnstimulation behandelt. Auch zwei Jahre nach dem Eingriff ist die Häufigkeit der Tics deutlich reduziert. Zudem sind autoaggressive Tics fast komplett verschwunden.

Der 26jährige Patient hatte bereits seit seiner Jugend eine schweres Gilles-de-la-Tourette-Syndrom: Er hatte komplexe motorische und vokale Tics in hoher Frequenz, eine ausgeprägte Koprolalie, wiederholte also zwanghaft vulgäre Ausdrücke aus der Fäkalsprache.

Zudem verletzte er sich oft selbst. Sein autoagressives Verhalten war so stark, daß er in einer Klinik lebte und dort häufig fixiert werden mußte. Das hat Dr. Jens Kuhn vom Uniklinikum Köln auf dem Neurologen-Kongreß in Mannheim berichtet. Eine Pharmakotherapie war bislang erfolglos geblieben.

Die Ärzte versuchten bei dem Mann als ultima ratio eine Tiefenhirnstimulation, indem sie ihm Elektroden in den Nucleus accumbens und die Capsula interna verpflanzten. Diese Gehirnregionen haben einen dämpfenden Effekt auf die Krankheit.

Nach dem Eingriff ging die Frequenz und die Schwere der Tics - gemessen mit verschiedenen Symptomskalen - um 40 bis 50 Prozent zurück. Die Koprolalie verschwand ganz, und auch die autoagressiven Tics hörten fast vollständig auf. Der Patient kann seither in einem betreuten Wohnheim leben. Der Therapieerfolg hält seit nunmehr zwei Jahren an, berichtete Kuhn.

Als Ursache des Gilles-de-la-Tourette-Syndroms werden Störungen der Basalganglien diskutiert. In Deutschland sind etwa 40 000 Menschen von der Erkrankung betroffen.

Quelle
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/422126/hirnschrittmacher-erfolgreich-tourette-syndrom.html
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Tourette-Syndrom: Hirnschrittmacher auch langfristig von Nutzen

 

Saint Paul (ddp). Hirnschrittmacher können langfristig die Lebensqualität bei Menschen mit Tourette-Syndrom steigern. Das haben US-Forscher jetzt in einer Langzeitstudie nachgewiesen. Demnach hatten die Versuchsteilnehmer auch zwei Jahre nach Einsetzen der Hirnschrittmacher dank der sogenannten Tiefenhirnstimulation nur halb so viele Tics wie zuvor und litten deutlich weniger an Depressionen und Angststörungen . Bislang wird die Tiefenhirnstimulation mittels eingepflanzten Elektroden vor allem bei der Behandlung von Parkinson und anderen neurologisch bedingten Erkrankungen eingesetzt. Die Wissenschaftler um Andrea Cavanna von der Universität Birmingham stellen ihre Studie im Fachmagazin «Neurology» vor (Ausg. vom 27. Oktober).

 


Typisch für das Tourette-Syndrom sind unkontrollierte Bewegungen und Laute, die auch als Tics bezeichnet werden. Die Erkrankung hat nach aktuellem Kenntnisstand sowohl psychische als auch neurologische Ursachen. Letztere hoffen Wissenschaftler mit Hilfe von Gehirnschrittmachern in den Griff zu bekommen: Über implantierte Elektroden sollen bestimmte Gehirnareale so stimuliert werden, dass die zu den Tics führenden Fehlübertragungen der Nervenzellen korrigiert werden. Eine solche Tiefenhirnstimulation wird bereits seit einigen Jahren bei neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson und anderen Bewegungsstörungen eingesetzt. Zur Wirkung der Behandlung bei Tourette-Patienten gab es bisher jedoch nur wenige klinische Studien, auch Langzeiteffekte waren bislang noch unbekannt.

Für ihre Studie setzten die Wissenschaftler die Gehirnschrittmacher 15 Freiwilligen ein, bei denen weder medikamentöse Behandlungen noch Psychotherapie eine Besserung bewirkt hatten. Während der folgenden zwei Jahre untersuchten sie die Patienten in regelmäßigen Abständen. Dabei kamen die Forscher zu einem positiven Ergebnis: Durch die Behandlung verringerten sich bei den Versuchspersonen die Tics um 52 Prozent. Auch andere Beschwerden wie Depressionen, Angstzustände, Zwangsstörungen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrome (ADHS) nahmen immerhin um 26 bis 32 Prozent ab. «Die Ergebnisse zeigen, dass sich bei allen 15 Versuchspersonen im Verlauf der zweijährigen Behandlung die Tics und neurologischen Probleme verbessert haben, was sehr ermutigend ist», bewertet Cavanna die Ergebnisse. Weitere Studien seien aber nötig.

 Quelle http://www.netdoktor.de/News/Tourette-Syndrom-Hirnschrit-1131664.html